In der Wahrnehmung von außen existiert Österreich als das kleine Land der hohen Berge und glasklaren Seen. Wir präsentieren uns als Kulturlandschaft von imperialen Schlössern, einladenden Stiften und Burgen, als barockes Gesamtkunstwerk oder Musikland in den Rhythmen zwischen Blasmusik und Wiener Klassik. Wir instrumentalisieren natürlich diese sympathischen Klischees, die immer auch ein Teil unserer Lebensrealität sind, mit ein wenig Augenzwinkern für die Tourismuswerbung. Dabei sind wir durchaus erfolgreich. Das beweisen jedes Jahr Millionen von ausländischen Gästen, die wir für Österreich begeistern können; nicht wenige davon stammen aus Nordrhein-Westfalen. Wenn nötig vereinnahmen wir selbst Künstler, deren Heimat ursprünglich nicht Österreich war, für unsere Zwecke. Uns ist es ziemlich erfolgreich beim Bonner Ludwig van Beethoven gelungen. Umgekehrt war der letzte Kölner Kurfürst und bedeutender Kunstmäzen in dieser Region ein Wiener. Kunst und Politik lebten also immer vom Austausch. Und je besser dieser funktioniert, desto bunter und spannender sind die Endprodukte dieser synkretischen Lebensstile.
Es gibt aber auch ein Österreich jenseits der alpinen Traditionen, Trachten, imperialen Ein- und Ausstellungen. Die österreichische Kunstszene existiert nicht abgekoppelt von den internationalen Verflechtungen und Moden. Es ist inzwischen sicherlich einfacher geworden, das spezifisch „Österreichische” in der Vergangenheit etwa von Musik und Literatur aufzuspüren, als es in den Gegenwartskünsten zu isolieren. Das hätte auch wenig Sinn. Künstlerinnen und Künstler leben in einem Weltverbund und einer internationalen Kommunikationsgemeinschaft von Ideen. Als österreichische Kulturministerin ist es mir ein besonderes Anliegen, diese Kreativität zu fördern und ihr die gesellschaftliche Anerkennung zukommen zu lassen, die ihr gebührt. Staaten oder Nationen haben kein Monopol auf das Leben und Werk von Künstlerinnen und Künstlern. Sie haben aber die Aufgabe, ihnen allen eine Bühne des Schaffens zur Verfügung zu stellen. Eine aktive Kunstförderung ist daher meines Erachtens politisch unabdingbar, denn in der Kunst findet gesellschaftliche Auseinandersetzung statt.
Die Präsentation österreichischer Gegenwartskunst hier in Nordrhein-Westfalen lädt in doppelter Hinsicht zu solchen Auseinandersetzungen ein. Sie zeigt die innerösterreichischen Entwicklungen. Darüber hinaus konfrontiert sie Menschen mit einem nuanciert anderen kulturellen Hintergrund mit diesen Entwicklungen. Unter diesen anderen Zugangsvoraussetzungen entstehen eine Neuorientierung der Kunstwerke und ein neues Verständnis von ihnen. Sich zu hinterfragen, kann dabei der sichtbarste und gleichzeitig einfachste Gewinn eines derartigen Austausches sein.
Das Anliegen von österreichischen Kulturtagen hier in Nordrhein-Westfalen ist aber auch ein klein wenig profaner. Wir wollen Ihnen allen eine österreichische Moderne zeigen, deren Rezeption für uns alltäglich geworden ist. Jenseits unserer Grenzen hingegen ist die Begegnung mit diesen Künstlerinnen, Künstlern, Werken und Ideen noch nicht so zur Norm geworden. Nicht als Norm wollen wir sie jedoch präsentieren, sondern als Anstoß zum Nachdenken und zum Freuen. Unser besonderer Dank gilt der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und hier Herrn Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, auf deren Initiative und Einladung dieser Österreich-Schwerpunkt in der Programmreihe des Landes scene: in nrw erst möglich geworden ist.
Dr. Claudia Schmied
Kulturministerin der Republik Österreich
Schirmherrin