Grußwort
Dr. Teresa Indjein
Direktorin Österreichisches Kulturforum Berlin

Dass Österreich und Deutschland besonders intensiv am kulturellen Austausch interessiert sein würden, kann man für selbstverständlich nehmen. Selbstverständlich allerdings sind Aufbau und Zusammenstellung eines solchen breit gefächerten Festivals moderner österreichischer Kunst, wie es scene: österreich in nrw darstellt, bei weitem nicht. Und es muss daher mit größtem Respekt darauf hingewiesen werden, dass diese Leistung nur durch das ausdauernde Engagement einsatzfreudiger Personen und Einrichtungen zuwege gebracht werden konnte. Von Seiten Österreichs haben wir für die Einladung nach Nordrhein-Westfalen zu danken: der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, insbesondere Herrn Gerhard Horn, dem Moderator für das Gesamtprogramm, Kurt Eichler und Burkhard Rinsche vom Kulturbüro der Stadt Dortmund sowie der Tatkraft von Andreas Loesch, Leiter der Abteilung für gesamtstädtische, regionale und internationale Kulturarbeit der Stadt Bonn. Unser Dank gilt auch den deutschen FachberaterInnen der einzelnen Kunstsparten und dem gesamten Netzwerk der Partnerstädte mit ihren Kultureinrichtungen.

Seit 1957 ist Österreich nun zum ersten Mal bei diesem umfassend angelegten Festival zu Gast und eingeladen, seine Literatur, seine tänzerischen Innovationen, seine neuen Entwicklungen in den Bereichen der bildenden und experimentellen Kunst, des Theaters, des Films und den verschiedenen Musikrichtungen in einer Art künstlerischer Gesamtschau zu präsentieren. Dass dieses Festival in seiner Intention auf besondere Nachhaltigkeit der Pflege der Kulturbeziehungen ausgerichtet ist – wir denken beispielsweise an die Kooperation mit den europäischen Kulturhauptstädten Linz09 und RUHR.2010 – macht seinen besonderen Wert aus. Die Bedeutung der deutsch-österreichischen Kulturbeziehungen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Für viele Künstler und Kreative aus Österreich ist Deutschland die bedeutendste Entfaltungsfläche, ein vielversprechender Garten, in dem großes Talent oft erst wirklich zur Blüte kommt.

Ludwig Wittgenstein sagte einmal, dass das gut Österreichische besonders schwer zu verstehen sei. Es sei in einem gewissen Sinne subtiler als alles andere, und seine Wahrheit sei nie auf Seiten der Wahrscheinlichkeit. So mag wohl auch der (angebliche) Ausspruch „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär” des über die österreichischen Grenzen hinaus populären Fußballers Hans Krankl aufgefasst werden. Das Fehlen der Eindeutigkeit, das Flair des Fragwürdigen und die Abwesenheit des Strebens nach Profilierung einer eigenständigen nationalen Komponente oder einer nationalen Aufgabe werden oft als signifikant österreichisch wahrgenommen. Dass der Weg der Erkenntnis und Selbstfindung nicht alleine beschritten werden kann, ist klar. Wer ist man denn ohne Partner? Was macht schon Spaß ohne ihn? Wie anders, als gemeinsam, können wir unsere Besonderheiten erkennen? Umso mehr, wenn es wie im deutsch-österreichischen Verhältnis auch manchmal noch darum geht, historische Verwundungen und Ängste, in etwas anderes, Leichtes und Fröhliches umzuwandeln.

Wie viele Welten gibt es in der neuen Kunst zu entdecken! Viel Freude und Genuss dabei möge Ihnen dieses Festival aus Österreich bescheren.

Dr. Teresa Indjein
Direktorin
Österreichisches Kulturforum Berlin

Dr. Teresa Indjein - 
Direktorin  - Österreichisches Kulturforum Berlin
Dr. Teresa Indjein
Direktorin
Österreichisches Kulturforum Berlin